Türchen 17 – Ein paar Gedanken zum Pferdemarkt…

Auch wenn Auktionen mit Sicherheit nicht die Realität für Verkauf ab Hof widerspiegeln, so gelten sie doch immer wieder als Barometer des Marktes und alle Züchter wünschen sich gute Erlöse.

Immer wieder heiß diskutiert sind die Fohlenauktionen. Nach diesen geht meist im www die Diskussion los, warum welcher Kanditat welchen Preis erzielt, bzw. nicht erzielt hat. Da treffen mitunter harte Gegener aufeinander, es diskutiert Schein gegen Sein, Show gegen Sport. Mal grob skizziert. Seltenst diskutieren Käufer. Es diskutieren die, die wollen, dass andere für ihr eigenes Ideal von einem Pferd viel Geld ausgeben.

Bestückt werden diese Auktionen mit Nachkommen der modernen Fohlenmacher. Das ganze beschränkt sich auf einige wenige Vererber. Mahnende Stimmen gibt es bezüglich des Verlustes von genetischer Varianz contra „verkauft sich gut, ergo der Markt will es so“. Nochmal angemerkt: Hier sind wir beim Verkauf als Fohlen, vom Reitpferd sind wir zu diesem Zeitpunkt noch meilenweit entfernt!

Und jetzt kommt die Krux, denn dass der Markt en Gros es so will, stimmt sicher nicht ganz. Wäre es so, dann wären auch alle Nachkommen der spektakulären, meist schwarzen Fohlenmachern zu Bestpreisen dierekt ab Stall veräußert und die Verkaufsbörsen wären leer. Wildfremde Menschen würden sich glückseelig und freudetaumelnd in den Armen liegen. Dem ist aber nicht so. Die Wahrheit ist, dass der Markt en Gros überhaupt keine Fohlen kaufen will! Der Markt en Gros besteht nämlich nach wie vor aus Reitern. Und Reiter kaufen Reitpferde. Dass die produzierten Fohlen mal gute Reitpferde werden, steht aber in jungen Jahren leider noch nicht fest und das Risiko ist um so größer, je weniger erprobt und gesichert die Elterntiere auf diese Eigenschaft selektiert und geprüft wurden.

Das kleine Segment, das tatsächlich Fohlen kaufen möchte unterteilt sich dann noch in weitere Segmente:

1. Der ambitionierte Reiter, der gerne seinen künftigen Sportpartner selber aufziehen möchte, um alle richtig machen zu können. Dieser Käufer sucht gezielt nach bestimtmen Eigenschaften, legt wert auf Abstammung und Herkunft – Kein typischer Auktionskäufer.

2. Der ambitionierte Reiter, der perspektivisch einen Kracher haben möchte, der aber vermutlich drei- bis vierjährg nicht mehr ins Budget passen wird. Man ist selbst in der Lage auszubilden und sucht eine bestimmte Qualität zum günstigst möglichen Preis. – Kein typischer Auktionskäufer.Ggfs. erwirbt er mal spontan ein Schnäppchen.

3. Große Gestüte / Hengststationen, die ihren Vererber promoten wollen und somit werbewirksam einkaufen. Auf Auktionen!

4. Zocker. Menschen mit viel Geld (übrig), die Fohlen ebenso einkaufen wie sie Spekulationsobjekte erwerben. Auf Auktionen! (Das sollte spätestend klar sein, seitdem ein Embryo in Neumünster dieses Jahr teurer war, als alle dort angebotenen lebenden! und vorselektierten! Fohlen.)

5. Zuletzt in Mode gekommene Konsortien, die, meist spontan gebildet, aus den unterschiedlichsten Gründen gemeinsam in das Abenteuer „Hengstfohlen“ mit perspektivischer Körung investieren. Auf Auktionen, jedoch meist im Normalpreissegment .

Das heißt, die Gruppe der Käufer, um die sich alle Begehrlichkeiten drehen, sind Personen aus Rubrik 3 und 4. Ein verschwindend geringer Teil und dennoch orientiert sich gut die Hälfte der Fohlenproduzenten an diesen einigen wenigen. Es ist das Prinzip Hoffnung das hier belfügelt, sowohl auf der einen, als auch auf der anderen Seite. Es sind die meist „Dressurfohlen“ die die Spitzenpreise erzielen und so sind folgerichtig auch in diesem Sektor die Modeabstammungen am häufigsten zu finden. Ebenso wie die Käufer aus 3 und 4.

Jetzt ist es nicht gerade die Dressurabstammung, die bei uns Begehrlichkeit weckt. Trotzdem sind natürlich auch unsere Fohlen verkäuflich, aber wenn nicht, dann werden sie eben geritten und finden als Reitpferd ein gutes neues Zuhause. Punkt. Und wenn wir ehrlich sind, dann wollen wir verschiedene Käufersegmente gar nicht bedienen. Wir wollen niemanden, der mit unserern Pferden zockt. Wir wollen jemanden, der sich bewusst für dieses Tier entschieden hat und es gerne hat. Dem eine artgerechte Haltung wichtig ist und da ist man bei denen, die Vielseitigkeit betreiben einfach mit relativer sciherheit gut aufgehoben.

Wir paaren unsere Stuten an Hengste, die Sportlichkeit versprechen, wir ignorieren Fellfarben und wir legen großen Wert auf Gesundheit und Haltbarkeit. Kurz: Wir sind total unmodern! Wir rechnen immer damit, dass wir das Produkt unserer Idee tatsächlich selber anreiten müssen und wie wir einige Türchen zuvor schon schrieben: Wir lassen uns nicht gerne an die Gesundheit gehen. 😉

Aber weiter: Irgendwann stand dann da mal in unsere Richtung geschrieben „Diese Einstellung müsse man sich leisten können.“… Mmmmh, stimmt. – Aber die Pferde sind unser Hobby und wir freuen uns, wenn am Jahresende da eine kleine schwarze Null steht. Wir leben nicht davon, im Gegenteil, ein guter Teil des erwirtschafteten Gehaltes fließt in dieses Hobby. Und unsere Kunden sind dann meist ebenfalls Hobbyreiter, die eine gewisse Qualität schätzen und bereit und in der Lage sind, einen fairen Preis zu zahlen. Fair, vor dem Hintergrund, dass es sich ja um eine „Hobby-Produktion“ handelt. Denn müsste jemand davon leben, dann sähe es ganz anders aus…: Dann wäre die Stute eben nicht „eh da“ und die Rentner würden nicht  selbstverständlich ihr Gnadenbrot bekommen. Dann wäre nicht der Schmied alle sechs Wochen „eh da“ und würde nach den Fohlen gucken und auch Zäune, Weide, Maschinen etc. wären eben nicht „eh da“.  Das Fohlen würde nicht in der Freizeit gehändelt und erzogen, der Youngster nicht in der Freizeit longiert und angeritten, Anhänger und Zugfahrzeug wären nicht „eh da“ und die Turnierfahrten würden nicht einfach irgendwie mit dazu gehören, sondern es wäre tatsächlich zu kalkulierende Arbeitszeit …. und jetzt rechne man mal für alles 1 Stunde pro Tag und nur den Mindestlohn von 8,50 € pro Pferd…. Dann würde nur die Arbeitszeit bei einem dreieinhalbjährige, gerade angerittenen Youngster knapp 11.000 € betragen…. Plus die Entstehungskosten (anteilig Stute, Futter, Tierarzt, etc.) die man dann auch mit bummelig 10.000 € ansetzen. Ups!!

Das heißt, dafür dass viele normal verdienende Leute das Hobby Reitsport betreiben können, müssen viele andere das Hobby Zucht betreiben. Und da liegt der Hase im Pfeffer. Das muss man einfach realistisch so erkennen, wie es ist. Und dann muss man sein Hobby exakt so betreiben, wie man das vor seinem Gewissen verantworten kann, denn letzendlich sendet man ja seine Tiere auf die Reise. Die größtmögliche Chance auf ein glückliches Leben haben sie bei Leuten, wir wir es sind. Mit den gleichen Ansprüchen  an Gesundheit, Haltbarkeit, Bedienbarkeit, Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft wir wir sie haben. Mit der gezielten Ausrichtung auf Springveranlagung und dazu blutgeprägt. Für die Vielseititkeitt, vielleicht… Eventuell.  Mit der Hoffnung für mehr. Und wenn nicht mehr, dann doch zuminest für normal. Normal L und M. Eben das was gewünscht ist!

Wir verkaufen gerne in diese Richtung. Stimmt, reich wird man davon und damit nicht, aber dem eigenen Gewissen geht es gut und wenn es immer wieder heißt, solche Pferde zu züchten lohne nicht… Es lohnt eben doch! Im Hobby muss es neben den monetären auch noch andere Werte geben und die dürfen gerne voran stehen – zumindest für uns 😉

Türchen 16 – Omari – Ein großartiger kleiner Zwilling!

Der treue Leser unserer Homepage erinnert sich sicher noch an die Geschichte rund um die Zwillinge, die beiden Zauberpferdchen: An die ersten Momente des kleinen Omari, den wir mit Beatmung, Bewegung der Vorderbeine und Rippenpressung ins Leben schubsen. An die ersten Tage nach der Geburt, an denen er und seine Schwester Kinderstrümpfe und Hundedeckchen gegen das Auskühlen trugen. Und auch an sein Bestehen auf Tränken aus der Spritze und seiner Weigerung die Nase in die Schüssel zu stecken und die Milch daraus zu saufen….

Wir wissen das alles noch wie gestern, erinnern uns an den Schlafentzug und den damals hier stattfindenden Zombie-Walk von uns Eimerträgern 🙂 und daran, dass uns jemand sagte, so richtig aufatmen dürfe man bei Zwillingen erst, wenn sie dreijährig wären. Nun, das hielten wir für etwas übertrieben, wir waren zufrieden, als wir sie gesund über das erste halbe Jahr gebracht hatten, aber nun sind sie auch wirklich drei Jahre und schicken sich an Reitpferde zu werden. Liebchen in der Nähe von Berlin und Omari noch immer bei uns, auch wenn er schon lange nicht mehr in unserem Besitz steht.

Es ist eine besonders große Freude seine reiterliche Ausbildung nun begleiten zu dürfen und zu sehen, wie er sich entwickelt. Wo stehen wir also heute?

Um es direkt eingangs vorweg zu nehmen: Omari begeistert bei jeder Reiteinheit, er ist ein großartiges kleines Pferd! Er ist exakt so geworden, wie seine Besitzerfamilie es sich von Anfang an gewünscht hat. ~ 155 cm Stockmaß, liebes Wesen, gutes Nervenkostüm, korrekt in Körper und Fundament, hübsch war er ja sowieso schon immer – summa summarum ist er ein echtes kleines Zauberpferdchen geblieben. Charakterlich ein Traum, zum Menschen und auch zu seines gleichen. Er ist der der Big Bro von Animo, den er sofort liebevoll unter seine Fittiche nahm als der kleine die Trauer des Absetzens verkraften musste.

Es war von vornherein klar, dass Omari den Sommer noch mal in seiner Jungs-WG auf der Wiese verbringen sollte. Letzten Winter verbrachte er im Stall und wurde ja von November an schon ein bisschen kultiviert – Putzen, Anbinden und anderes Tralala.

Nach Karneval – also ab März wollten wir für acht Wochen ein paar Grundlagen schaffen, damit er schon mal eine ungefähre Ahnung von Reiter und Sattel bekommen hatte. Ab Herbst, nach der Weide, sollte dann die Ausbildung starten.

Tja, und dann beginnt man mit dem Zwilling, an dem man in seinen frühesten Stunden und Tagen schon so viel rumgefummelt, bandagiert, gewickelt und eingedeckt hat, mit Sattel und Trense und es ist ihm schlichtweg EGAL! Es ist eben mal wieder irgendwas, was sich die ihm zugeneigten Zweibeiner ausgedacht haben. Und wenn sie dabei immer mit schmeichelnder Stimme „Feiiiiin“ zwitschern und mundgerecht portionierte Apfelstücke ins Pferdemaul schieben, dann ist das eben noch umso besser.

Da man das gute Tier ja nicht unnötig langweilen will, saß der Reiter schneller drauf als gedacht. Und schneller als jemals erwartet ging es in Schritt, Trab und Galopp außen rum.

Parallel hatte seine junge Freundin und Besitzerin schon das Führen geübt, das respektvolle Abstandhalten und das reagieren auf ihre Stimme. Das Ende vom Lied war, dass sich Omari bei uns Erwachsenen durchaus mal hinterherziehen ließ wie ein altes Kamel, mit seinem pesönlichen Mini-Menschen aber sehr wohlerzogen und artig mitlief……

Und dann erkläre man mal so einem Mädel, dass sie da jetzt noch nicht so wirklich drauf reiten kann, obwohl Omari doch mit ihr ansonsten immer alles prima macht. Wäre doch egal, wenn sie noch Reitanfänger wäre…Die Jugend zeigt sich diskussionsstark und beharrlich. … Also gut. An der Longe. Am Mariahilfsriemen festhalten!! … Die Mutter war der Ohmacht nah…. Es ging super. Schritt, Trab und auch Galopp außen rum. Das Beste: Wenn die Kleine oben drauf „Brrr“ sagte, stand die Kiste! Sofort und ohne schuldhafte Verzögerung! Das Kind strahlte! Begeistertes Klopfen und wildes Gestikulieren kam schneller, als man reagieren konnte. Äh, Stopp! Das ist ein junges Pferd und…. es ist ihm scheinbar auch egal 🙂 …

Kurz drauf haben wir die beiden auch ohne Longe auf die Reise geschicht. Das klappte ebenso gut. Omari achtet auf seinen Mini-Menschen. Ist ja schließlich auch seiner!

Unnötig an dieser Stelle noch zu erwähnen, dass die Mutter aufgrund von Lufthanhalten fast erstickt wäre, aber wir tun es trotzdem, weil es sehr lustig war. Auf dem erstellten Video konnte der Zuschauer später nur ein gehauchtes „Oh Gott!“ hören, kurz nachdem die Anweisung „Versuch einmal anzutraben“ erfolgt war 😉

Der Mai kam und Omari zog wieder in die Jungs-WG. Den Sommer verbrachte er mit vier anderen jungen Kerlen von einem bis drei Jahren sowie dem alten Morgenstern auf der 24h-Wiese. In dieser Zeit hat sich nochmal ein großes Stück weiter entwickelt. Die Zeit hat ihm definitiv gut getan.

Im September kam er wieder rein, und wir konnten da weitermachen, wo wir aufgehört haben. Vom ersten Moment an brav und bei der Sache – er macht einen super Job. Schritt , Trab Galopp. Ganze Bahn, Zirkel und die zugehörigen Wechsel: Durch die Bahn und aus dem Zirkel. Über Stangen traben. Omari macht alles. – Er ist und bleibt ein Zauberpferdchen! Über den Winter wird hier in Wahn ja nur sporadisch gearbeitet, so dass es schonend und langsam voran geht. Was mehr wird es dann ab Frühjahr 2018. Wir freuen uns schon auf drauf!

Türchen 15 – Orik, seine Majestät, der König der Zwerge, der kein Aprilscherz sein wollte :-)

Nee, nee, was waren wir augeregt aufs Blümchen-Fohlen. Als am 09. April, nachts um kurz nach eins Orik in einer komplikationslosen, schnellen Geburt auf die Welt kam, war dementsprechend die Freude groß.

Mit einer Größe von 103 cm deutlich groß genug, vor allem für einen Erstling. Und an Größe und Volumen sollte er die nächsten Wochen schnell zulegen, er soff ordentlich und viel und Blümchen hatte ganz offenbar genug Milch.

Nichts war zu merken vom schüchternen Erstling, Orik hielt seine Mutter von Anfang an auf Trab. Nomen est Omen, Orik der mutige Zwergenkönig bei Eragon ging ja auch immer voran. Ausgerechnet war er ja auf den ersten April und das Datum zeichnete wohl für seinen inneren Clown verantwortlich.

Schon schnell war klar,  so ein Fohlen hatten wir vom Charakter noch nie: Selbstbewust und selbstsicher, deutlich als Hengstfohlen erkennbar, vorwitzig, mutig und dabei ein echter Schmuser. Vital, mit großer Bewegungsfreude ausgestattet, kraftvoll und toll im Gleichgewicht.

Wir waren sehr begeistert von Blümchens Sohn und er sollte auch Franks auserkorener Liebling bleiben.

Zur Fohlenschau in Hörstein präsentierte er sich toll und wir waren sehr zufrieden. Seinem Wachstum war das letzte Bergauf geschuldet, so dass er im Galopp und Trab sicher unter seinen Möglichkeiten bleiben musste. Aber es gab die 8 für Typ, Schritt und Gesamteindruck, 7,5er für Körper, Fundament und Galopp, die 7 für den Trab. Machte also 53,5 Punkte, so dass ein halber Punkt zum Endring fehlte.

Trotzdem wurde in der Kommentierung von Mathias Werner ganz klar zur Hengstaufzucht geraten. Das worauf der Fokus in der Anpaarung lag, nämlich den Möglichkeiten über den Stangen, kann eine Fohlenbewertung niemals gerecht werden. Wir hoffen für seine neuen Besitzer, das er in zwei Jahren darin seine seine 9er – eben ganz so, wie seine Mutter und sein Vater es getan haben – holt.

Auch mal wieder erkennbar in dem Fohlengewimmel in Hörstein war, wie brav doch unsere Fohlen im gesamten Handling sind! Da waren Kandidaten am Start, die versprachen schon im jungen Alter sehr wenig Umgangskomfort in der Zukunft….

Im Sommer fand er dann neue Besitzer aus dem springambitionierten Trakehner Umfeld. Ulrike Schmitt, selbst erfolgreich in Springen bis zur Klasse M verliebte sich in Orik und griff kurzentschlossen zu. Und so zog Orik im Oktober gen Mönchengladbach und erfreut sich nun seines Lebens in einer Gruppe von 4 kleinen Hengstchen.

In den letzen Wochen hier in Wahn legte Orik nochmal eine Schippe drauf und empfahl sich deutlcih für die Hengstaufzucht sich. Das war schon in seinem zarten Alter ein richtiger Kerl, der begann die rossigen Damen zu stalken und sich zum Gefallen aufzuplustern. Wir hoffen für Ihn und Ulrike, dass er gesund groß wird und er den Weg Richtung Körung gehen kann.

In Summe kann man also sagen: Ein gelungener erster „O“ von Blüchen 🙂

Türchen 14 – Weiter geht es mit der Famile der Oka, hier Oka-Blümchen

Unsere Blümchen hat eine Wahnsinns Entwicklung in diesem Jahr vollzogen. Unter der Trächtigkeit wurde sie schon „viel mehr“ Pferd, nach der Geburt ihres ersten Fohlens wurde sie schlagartig viel mehr Persönlichkeit!

Aus dem kleinen, lieben Blümchen wurde eine ausgewachsene, große und vor allem selbstbewusste Blume. Eine toller Erscheinung!

Eigentlich hatten wir erwartet, dass sie ebenso wie ihre Mutter Oksana eine eher ranngniedrige Position in der Herde einnehmen würde, aber das Gegenteil war der Fall. Mit der Geburt ihres Sohnes war sie „wer“, wurde selbstbewusst und dominant im Auftreten und auch wir Menschen mussten uns auf andere Verhaltensweisen im Umgang einstellen. Da wo vorher nur ein vorsichtiger Fingerzeig notwendig war, wurde durchaus mal Handfestes notwendig.

Vom ersten Moment an fand sie sich sehr gut in ihre Mutterrolle ein. Zwar hatte sie nach der Geburt nicht so richtig Ruhe um noch etwas liegen zu bleiben, sprang schnell auf, zeigte sich kurz verwirrt, rannte zur Boxentür, guckte raus und realisierte ihr Fohlen erst dann, als sie einmal durch die Box kreiste. Und seither gab es nichts anderes mehr!

Unsere Streberblümchen war natürlich auch in dieser Disziplin vorbildlich! Als hätte sie noch nie was anderes gemacht dirigierte sie ihren Sohn zum Euter und wurde mit seinem Erfolg bei der Suche schnell belohnt.

Sie war eine wachsame Mami, beschütze Orik eifrig und war achtsam mit ihm. Lediglich in der Box hätte sie noch ein bisschen rücksichtsvoller sein können. Da erfur der kleine schon den ein oder anderen Rempler. Und auch mit dem Kraftfutter war sie später eigen: Das war bitte das ihre, er brauchte einen eigenen Trog.

Als dann Franzis Fohlen geboren wurde, blubberte sie aufgeregt Richtung Nachbarbox und startete dann tatsächlich auch beim ersten gemeinsamen Weidebesuch nach drei Tagen den Versuch, das Fohlen zu klauen. Franzi war konsterniert und guckte verzwiefelt, Gott sei Dank wurde aber keine der beiden böse und nachdem wir den geschockten Animo wieder seiner Mutter zusortiert hatten, kehrte Ruhe ein und das Thema wurde nie wieder eins. Der Himmel weiß, was Blümchen da geritten hat…

Nicht nur in der sozialen Stellung unterscheidet sie sich von ihrer Mutter, auch in in der Kinderbetreuung lässt sie es was lockerer angehen. Während Oksana immer hysterisch ihre Fohlen abschirmte – selbst, wenn diese längst schon gerne mit ihren Altersgenossen spielen wollten – ließ Blümchen es ab Ende Juni ruhiger angehen. Im Prinzip hatte Franzi konstant zwei Fohlen in der Betreuung. Orik besuchte seine Mutter tagsüber fast nur, wenn es ihn nach der Milchbar gelüstete.

In der ersten Rosse nach der Fohlenrosse besamten wir mit Adorator. Samstag zeigte sie leichte Rosseanzeichen, Sonntag Abend haben wir den Follikel kontrolliert, „Oh, wäre gut, wenn wir morgen (Montag) Samen hätten…“ – Da keine Chance mehr auf Versand bestand, Urlaub aber so kurzfristig auch nicht möglich war, wurde eine Transportkette organisiert :-):

Der Außendienstkollege, der sowieso in die Zentrale kommen wollte, fuhr einen Schlenker über Hinnemanns Krüsterhof und packte die gekühlten Adoratoren ein. Der Kühlschrank im Pausenraum erhielt für einige Stunden eine ungewöhnliche Befüllung mit einer großen grauen Styroporbox, welche dann wiederum am späten Nachmittag mit nach Wahn genommen wurde, damit ihr Inhalt termingerecht eingesetzt werden konnte.

Ein Schuss, ein Treffer: Blümchen ist tragend von Adorator, errechneter Termin ist Mitte April 2018. Was wir uns hier erwarten, wird eins der nächsten Türchen füllen.

Es folgte ein fauler Sommer ohne besondere Vorkommnisse. Anfang Juli ging es zur großen Fohlenschau nach Hörstein, bei der Blümchen ein sehr gutes Bild machte.

Im Oktober verließ uns dann ihr Sohn und sie trug auch seitdem schon das ein oder andere Mal den Sattel zwecks Schwangerschaftsgymnastik. Ihre aktuelle Figur wirkt sich allerdings nicht gerade positiv auf die Lage des Sattels aus, so dass wir das wieder einstellten.

Nachdem Orik schon kein kleines Fohlen war – und dass trotz Erstling – gucken wir voll Spannung auf den mittlerweile schon sehr voluminösen Bauch. So richtig schlank ist sie allerding auch während der Laktation nicht geworden, so dass wir einen Teil ihres Volumen auch schlicht dem guten alten Fett zuschreiben….

Das ist im Übrigen auch etwas, was man bei den jungen Stuten schon anders hat, als bei den alten. Die haben über die gesamte Zeit noch mehr Substanz. Weder Oksana noch Belli waren im fünften, sechsten Monat noch fett. Da sah man dann schon, dass da ein Fohlen dran hing. Nicht so beim Blümeli. Trotz großem, gutgenährtem Fohlen hate sie bis zum Schluss ein Wohlstandsbäuchlein. Franzi im Übrigen ebenso.

Wie das so bei den Zuchtstuten ist, folgt nun nach dem faulen Sommer auch ein fauler Winter 🙂 Tagsüber ist sie meist unterwegs mit ihrer besten Freundin Franzi, hin und wieder steht sie auch zwecks Fellpflege bei ihrer Mutter Oksana. Sie gibt jetzt schon mehr auf sich Acht, hält sich aus den ganz wilden Gruppenbockereien heraus, geht in solchen Situationen auf Abstand – eben das normale Verhalten für eine tragende Stute. Noch ziemlich genau vier Monate sind es zum nächsten kleinen „O“ das wir schon voller Spannung erwarten!

Türchen 13 – Dinge, die einfach nur wütend machen!

Eigentlich sollte es heute fröhlich mit den Os weiter gehen, aber dann kam doch ein aktuelles Thema dazwischen.

In den sozialen Netzwerken kursiert seit einigen Tagen die Meldung um ein in Leichlingen verunglücktes Pony. Das Ganze ereignete sich schon vor einiger Zeit, nun kochen die Gemüter hoch, vor allem wohl darum, weil ein anderer Trainer, namentlich Uwe Jourdain von Liberté Jourdain, hier Kritik am Vorgehen äußert. Berechtigt wie wir meinen. Den gesamten Bericht mit Video darf der geneigte Leser per Klick hier einsehen.

Jedem das seine. Wenn jemand Spaß an Bodenarbeit oder zirzensischen Lektionen hat, so soll er das gerne machen. Jede Beschäftigung mit dem Pferd kann beiden Parteien Freude bereiten. Und es ist ja auch sehr wünschenswert, wenn man sich in Ausbildung begibt. Wir erinnern uns an die ethischen Grundsätze des Pferdefreundes, hier wäre es dann die Nummer 7:

Der Mensch, der gemeinsam mit dem Pferd Sport betreibt, hat sich und das ihm anvertraute Pferd einer Ausbildung zu unterziehen. Ziel jeder Ausbildung ist größtmögliche Harmonie zwischen Mensch und Pferd.

Harmonie!!! Hier geht es dann los! Der geneigte Betrachter des Videos wird zustimmen, dass da über weite Strecken nicht Harmonie das vorherrschende Element ist. Eher ist es wohl der Zwang.

Und nur um es hier ganz klar zu formulieren, wir mögen in unserem Herzen Wendy sein, aber unsere Pferde werden vom ersten Moment an erzogen. Weder wird in Wahn gerempelt, noch getrampelt, noch gebissen, noch getreten. Ganz unabhängig davon, dass wir uns nicht gerne ans Leben gehen lassen, finden wir solche Equiden auch unzumutbar für Tierärzte und Schmiede. Und wenn man mehr als ein Pferd pro Tag händelt, dann dürfen die auch nicht alle mit einer speziellen Bedienungsanleitung versehen sein. Dass das nicht immer damit funktioniert, mit Klangschalen ums Pferd zu tanzen, sollte vermutlich jedem klar sein.

In oben stehenden Fall passiert also folgendes: Irgendwelche Damen möchten gerne gezeigt bekommen, wie man Pferden ein Kompliment beibringt. (Den sozialen Netzwerken zufolge wollten die Besitzer des Ponies es noch nicht einmal, was die Fassungslosigkeit auf unserer Seite zu diesem Vorgang ins unermessliche schnellen lässt!!!!)

Und jetzt kommen wir direkt mal zu einem bunten Sträußchen an verletzten ethischen Grundsätzen:

1. Wer auch immer sich mit dem Pferd beschäftigt, übernimmt die Verantwortung für das ihm anvertraute Lebewesen.

 

3. Der physischen wie psychischen Gesundheit des Pferdes ist unabhängig von seiner Nutzung oberste Bedeutung einzuräumen.

 

4. Der Mensch hat jedes Pferd gleich zu achten, unabhängig von dessen Rasse, Alter und Geschlecht sowie Einsatz in Zucht, Freizeit und Sport.

 

8. Die Nutzung des Pferdes im Leistungs- sowie im allgemeinen Reit-, Fahr- und Voltigier-Sport muss sich an seiner Veranlagung, seinem Leistungsvermögen und seiner Leistungsbereitschaft orientieren. Die Beeinflussung des Leistungsvermögens durch medikamentöse sowie nicht pferdegerechte Einwirkung des Menschen ist abzulehnen und muss geahndet werden.

Hier wurde das Klassenziel wohl in allen vier Punkten schon im Ansatz verfehlt!.

Von neun ethischen Grundsätzen, die dem Sport vorstehen, wurden fünf Stück grob missachtet. Und zwar alle die, die sich um das Wohl des Pferdes im Rahmen seiner sportlichen Nutzung drehen. – Erschreckend! Der Irrsinn in Reinkultur!

Da guckt eine Phalanx irgendwelcher Tussies diesem Dompteur – der sich Trainer nennt und bezahlen lässt – in aller Seelenruhe bei so einem Mist zu? Das kann ja wohl nicht wahr sein!

Die Beteiligten, man sieht es schon, sind echte Koryphäen an der Longe! Nachdem Nummer Eins sich bald in die Hose macht,  muss folgerichtig dann Nummer Zwei ran, sie muss das gefährliche Tier im Zaum halten, damit es sich nicht auf den blöden Sack wirft, der da auf der linken Seite steht und das Bein hoch bindet……und das ganze endet im Genickbruch für diese arme Stute, die so anständig war, sich nicht offensiv gegen den zu wehren, der es verdient gehabt hätte, sondern einfach nur versucht hat, aus ihrer Zwangslage rauszukommen.

Da wird, anstatt dass man sich für das Pferd einsetzt, dabei gestanden und ein Film gedreht! –  Manchmal kann man gar nicht soviel essen wie man kotzen will!!

Und dann gibt es im Netz durchaus noch Mitleid mit der armen, armen Ponybesitzerin. Denn das hat sie ja nun nicht gewollt. Ach??!! – Ist sie blind? Taub? Stumm? Natürlich war der Verursacher der furchtbare Dompteur, aber er war doch nicht alleine da! Unser Mitleid gehört ausschließlich der Ponystute – keinem sonst! Alle, die an diesem Tag vor Ort waren und nicht interveniert haben, sind mit schuld!

Vor einem solchen Hintergrund verblasst dann selbst das diesjährig von uns entdeckte humpelnde Pony auf einem Hausturnier, dass nach Aussage der schon vor einigen Jahren aus der Ponyreitgröße hinausgewachsenen Reiterin  „Spott“ hat und dessen Besitzer auf den höflichen Hinweis, dass sein Pony lahmt, ausfällig anfängt zu pöbeln, man solle sich gefälligst raus halten, das ginge nur sie was an und schließlich hätte das Pony ja keine Schmerzen… – Ne is klar, deswegen humpelt es ja!

Man steht dann da und ist fassungslos. Und auch hilflos, denn es ist ja eine private Veranstaltung, keine Offiziellen, keine Wege, die definiert sind und beschritten werden können. Aber eben auch kein Grund still zu sein. Auch wenn man die Wahl des „Zuschauers des Tages“ sicher nicht gewinnen wird…..

Diese Themen bewegen uns als Züchter so sehr, denn es ist nicht egal ist, welche Zukunft die bei uns geborenen Pferde einmal haben werden. Natürlich versuchen wir beim Verkauf alles richtig zu machen und Extreme in die eine (Wallewalle) wie auch in die andere (überehrgeiziger Supersportler) zu vermeiden. Aber man guckt den Menschen ja auch immer nur vor den Kopf. Und trotz aller Vorsätze kann es auch passieren, dass Pferde den Besitz nochmal wechseln. Und dann wünscht man sich so was wie mit der Ponystute oben eben nun mal überhaupt nicht.

Was ist das in diesem Zeitgeist, dass dazu führt, dass keiner dieser Reitstall-Tussies in der oben stehenden Situation aufbegehrt? Es ist ja nicht nur an dieser Stelle, es gibt noch viel mehr Fragen:

Was ist das, dass sich kaum einer mehr damit beschäftigt, wie ein Pferd gefüttert gehört, aber gerne regelmäßgig der Tierarzt wegen Verdauungsproblemen konsultiert wird?

Was ist das, dass kaum einer mehr weiß, wie ein ordentlich gearbeiter Huf auszusehen hat, Lahmheiten und Reitpausen aber achselzuckend und als gottgegeben hingenommen werden?

Was ist das, dass sich die Leute immer weniger „quälen“ wollen, um bessere Reiter zu werden? Immer weniger Zeit haben, etwas zu lernen? Sich einfach mal Mühe geben? Die Kosten für den monatlichen Chiropraktikerbesuch aber als feste Ausgabe im Budget akzeptiert werden?

Warum werden immer mehr Gurus kritiklos hingenommen? Heute gibt es für jede Lebenslage Trainer: Vom täglichen Umgang, übers Verladen, für gesunde Dehnungsübungen, bis hin zu den Zirkuslektionen.  Man will meinen zum Reiten kommen die gecoachten vor lauter Stress kaum noch. Dafür konsumieren sie die schönen bunten Futtertüten – Liebe geht durch den Magen, hoch leben EMS und Hufrehe.

Unbequeme Dinge macht man nicht gerne selber, das sollen bitte andere tun. Im Zweifel kann man ja dann mit dem Finger drauf zeigen. So von der Bande aus….

Andere sollen ausbilden, andere sollen erziehen. Da wird in Foren / Gruppen geschrieben – erst heute gelesen in „Fohlen 2015″… Da ist Trulla X enttäuscht, dass das zweijährige Ungeheuer sich nicht durchs Dorf führen lässt, wie ein 20 jähriges Schulpferd und nervös wird. Ganz betrübt ist Tussi Y, weil der böse, böse zweimal getreten hat, obwohl sie ihm doch schon beim ersten Mal wirklich ernst ins Gewissen geredet hat. Beide überlegen nun, dass „sie vielleicht doch nicht füreinander bestimmt sind“ und man den Youngster besser verkauft, besser auf reisen schickt. Obwohl man ihn ja so liiiiiiiieb hat. Aber wenn er einfach nicht so richtig funktioniert, wie das bei Ostwind vorgelebt wird? ….. – Ein Traum für uns als Züchter! Der geneigte Leser wird es erkennen Trulla X und Tussi Y sind nicht unsere Kunden 😉

Trotz eigenem Unvermögen sind Modelle X und Y und andere dieser Art aber durchaus in der Lage, ihr Entsetzen darüber zu äußern, dass bei uns die 2015er auf der Weide stehen und mit denen GAR NIX gemacht wird, außer tägliche Kontrolle und alle sechs Wochen Vorstellung beim Schmied – die 2014er aber gar schon angeritten werden, sich anbinden, trensen, verladen und satteln lassen, OHNE dass wir ihnen das gesamte letzte Jahr schon auf den Nerv gegangen sind, um sie zu „darauf vorzubereiten“ und um sie „zu beschäftigen“. Denn witzigerweise sind sich Pferde untereinander bei uns auch gerne selbst genug….

Irgendwie ist der einfache Pferdemensch in den letzten Jahren zur aussterbenden Gattung geworden. Es gibt immer mehr Extreme in die eine oder die andere Richtung …

Wer bis hierher gelesen hat, den möchten wir ermutigen: Toleriert kein unsportliches Verhalten gegenüber dem Pferd! Macht den Mund auf! – Es ist egal, wer Akteur ist. Gewalt bleibt Gewalt. Egal ob in der heimischen Halle oder auf dem Abreiteplatz des Turniers. Unser Sport braucht keine Bilder von blauen Zungen, gerollten Hälsen oder beim Kunststückchen erlernen drangsalierte Ponies….  – Dafür ist allerdings auch nicht jeder, der einen 3-jährigen anreitet gleich ein Tierquäler und noch gehört jede Nase die mal hinter die Senkrechte kommt, einem gequälten Individuum. Augenmaß, gesunder Menschen(Pferde-)verstand und die richtige Portion Empathie – das wäre doch mal wieder was. 😉